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Genderanalyse

Der grundsätzlich bei jeder Forschung mitzuuntersuchende Gender-Aspekt meint die Frage, inwieweit die Konstruktion der Geschlechterrollen und die Hierarchisierung derselben Einfluß auf das Problem (hier also: die Agrobiodiversität) haben und vice versa: inwieweit die angestrebte Erhöhung der Agrobiodiversität (via Erhöhung des Marktanteils des Ökologischen Landbaus) die Geschlechterrollen und ihre Hierarchien zementiert und/oder in Frage stellt und/oder ohne die aktive Veränderung dieser Rollenzuschreibungen inkl. ihrer Machtverhältnisse gar nicht zu bewerkstelligen ist - dies auf jeder Stufe der Produktkette landwirtschaftlicher Erzeugnisse, also vom Zuchtbetrieb über den Garten oder Bauernhof über Verarbeitung und Handel bis auf den Teller oder zu anderen Nutzungsformen. Beispielhaft spielen die Geschlechterverhältnisse in folgenden Bereichen eine Rolle:
 
  • Nach wie vor leisten Frauen die meiste Haus- und Versorgungsarbeit unter anderen Gesetzen als denen der effektiven Marktökonomie also meist unbezahlt. Die als altmodische Liebhaberei belächelten Nutzgärten werden häufig so bewirtschaftet. Gerade hier haben Organisationen, die sich um den Erhalt von Sorten bemühen (z.B. Pro Specie Rara in der Schweiz) aber die standortangepassten und meist intensiv schmackhaften Sorten noch vorgefunden.
  • Selten findet bei der legendären Fruchtbarkeit und Ferkelaufzuchtzahl z.B. der Schwäbisch-Hällischen Schweine in den 50erJahren die intensive Betreuungsarbeit während Geburt, Frühwochenbett und Lebensstartphase Erwähnung - war und ist sie doch unbezahlte Frauenarbeit. Könnte die gar nicht mehr so überragende Aufzuchtleistung der revitalisierten Schwäbisch-Hällischen heute auch darin begründet liegen, daß diese Sorgearbeit nicht wieder aufgenommen wurde? Wollen wir das überhaupt oder wie könnte eine gerechte Verteilung derselben aussehen?
  • Selbst vor den Objekten (also z. B. den Zuchttieren) macht die Geschlechterkonstruktion samt ihren negativen Folgen keinen Halt: Wenn eine traditionell patriarchal dominierte Rinderzuchtszene sich einen guten Bullen gar nicht anders als männlich = agressiv / nur von Experten zu handeln vorstellen kann, fällt es schwer, auf freundliche, leicht zu lenkende Bullen (also mit weiblich = weichlich, nicht leistungsstark assoziierten) hinzuarbeiten, die den Einsatz einer genügenden Anzahl (vielfältiger) Vatertiere direkt auf den (Bio)betrieben vom populationsgenetischen Wunsch zur alltäglichen Realität werden lassen.
  • Auch der ambivalente Anspruch an die an allem schuldige Einkäuferin (die Hausfrau), die gleichzeitig ihre Familie gesund (laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung also fettarm) und umweltschützend (also ökologisch und biodivers, z.B. mit kleinen Mengen fetten, aber geschmackvollen Fleisches alter Schweinerassen) ernähren soll, wird thematisiert.