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BMBF / SÖF  
Pflanzenzüchterische Analyse

 
Arbeiten zur zeitgebundenen Veränderung der Agrobiodiversität liegen v.a. seitens der Agrarökologie, des Naturschutzes und der Botanik mit überwiegendem Focus auf Veränderung des Wildartenspektrums vor. Innerartliche Aspekte (Genvariabilität, Gendrift, u.a.) waren untergeordnet und sind erst jüngeres Thema weniger populationsgenetischer Betrachtungen. Für den Kulturartenbereich auf Sortenebene gewinnen molekulargenetische Untersuchungen zur genetischen Distanz, zur Charakterisierung und Identifizierung von Wirtschaftssorten und Zuchtmaterial (markergestützte Methoden) zunehmend Bedeutung. Fachlich strittig dabei ist das häufig vorgetragene Argument einer reduzierten genetischen Vielfalt der modernen Zuchtsorten.

Eine detailliertere, raum- und zeitbezogene Analyse über die Veränderung des Arten- und Sorte
nspektrums bei wichtigen landwirtschaftlichen Kulturpflanzen und die Verknüpfung mit Veränderungen in Produktionstechnik und verfahren liegt bisher nicht vor.

Verbraucherverhalten, Konsumgewohnheiten und technische Verarbeitungsanforderungen üben weiterhin bedeutenden Einfluss auf die Auswahl und Veränderung von Sorten- und Nutzartenang
ebot aus.

Die weitere Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland wird mutmaßlich durch weitere Anpa
ssungsprozesse bei Produktionsverfahren, Standortallokation und vermutlich durch Einführung gentechnisch modifizierter Kultursorten geprägt sein. Daneben ist ein Rückzug des Staates aus bisher für notwendig gehaltenen Bereichen wie Betriebsberatung, versuchsgestützte Produktionsberatung und Agrarsozialpolitik zu erkennen. Dies kollidiert durchaus mit den politisch ebenfalls artikulierten Vorstellungen zur Agrarumweltpolitik. Aufgrund vorgegebener Regeln wird sich der Bereich der ökologischen Landwirtschaft den oben genannten Trends gar nicht, nur eingeschränkt, oder mit anderen systemgebundenen Strategien unterwerfen können.
 
Die ökologischen Effekte dieses Produktionssystems können damit im Gegentrend möglicherweise biodiversitätsfördernd sein, zur Naturschutzrelevanz des ökologischen Landbaus arbeiten aktuell bereits einige Forschergruppen. Untersuchungen, die sich dabei allerdings der Kulturpflanzenvielfalt auf der oben skizzierten Ebene innerartlich, artlich und landschaftsbezogen widmen, sind nicht bekannt. Für die Beurteilung eines positiven Beitrags des Ökolandbaus zur Biodiversität ist die Saatgutfrage, die künftige Entwicklung von Arten- und Sortenspektrum aufgrund der politischen Bemühungen um einen gesteigerten Flächenanteil des ÖL von wesentlicher Bedeutung. Besondere Beachtung verdient dieses Problem auch beim Nutzungsmanagement von international anerkannter Schutzgebiete, bei der Funktionssicherung des ÖL gegenüber befürchteten Kontaminationen durch Gentechnik und aktuell durch Anpassungserfordernisse des Saatgut- und Sortenrechts an die europäische und internationale Rechtslage.
 
Besondere Ansprüche des ÖL an Kulturpflanzensorten, Erwartungen eines Naturschutzmanagements an Mehrfunktionalität von Agrarflächen und nicht zuletzt Verbrauchererwartungen erfordern u.U. auch ein modifiziertes Angebot an Zuchtsorten. Daneben verlangen auch die aktuell gebräuchlichen Verarbeitungsverfahren und Handelsanforderungen eine kritische Bewertung bezüglich ihrer direkten wie indirekten Biodiversitätsrelevanz.
Zur Beurteilung der Dynamik des Systems ÖL ist die Entwicklung des ÖL in Ostdeutschland beso
nders geeignet. Das rasche Anwachsen auf einen hohen Flächenanteil innerhalb kurzer Zeit, die parallel laufende Strukturveränderung in der dortigen Landwirtschaft und die gleichzeitig formulierten, teilweise sehr hohen Erwartungen an die Umweltverträglichkeit lassen dieses Untersuchungsgebiet auch für Übertragungsansätze in die östlichen Beitrittskandidaten der EU geeignet erscheinen. Für eine Betrachtung der historischen Entwicklung im Sorten- und Artenangebot von Kulturpflanzen ist dieser Raum aufgrund seiner ehemals herausragenden Bedeutung für die Pflanzenzüchtung und ihrer ökonomischen Verwertung durch private Züchter seit dem 19.Jahrhundert ebenfalls geeignet.